Hamburgs Industrie reagiert auf den Bahnstreik – IVH-Chef Boxberger: „Bei uns wächst die Sorge, dass der schrumpfende Rest des Konjunkturpotentials in Deutschland mutwillig kaputtgestreikt wird.“

Dazu erklärt der Vorsitzende des Industrieverband Hamburg, Matthias Boxberger:

„Der sechstägige Bahnstreik belastet die Transportlogistik in Deutschland und Europa und damit auch Unternehmen der Hamburger Industrie. 144 Stunden Streik wirken sich unmittelbar auf Industrie-Lieferketten aus. Mit ihren Kunden und Logistikdienstleistern haben viele Unternehmen umgehend flexible Lösungen entwickelt, diese können die Einschränkungen und Verzögerungen in der Bahnlogistik aber nur teilweise kompensieren. Ebenso ist eine kurzfristige Verlagerung von der Schiene auf die Straße außerordentlich schwierig. Auch im Schiffsverkehr staut sich etwas auf durch die Angriffe von Huthi-Milizen im Roten Meer, die derzeit die Lieferketten in den Seehäfen durcheinanderwirbeln. Und natürlich sind viele Beschäftigte der Industriebetriebe im Berufsverkehr ebenfalls unmittelbar betroffen. Deshalb kommt dieser Streik zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für die Industrie. Es droht eine weitere Verschlechterung im ohnehin schwierigen Standortwettbewerb!

Gerade erst hat das Ifo-Institut seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft gesenkt, andere Institute gehen sogar von einem erneuten Minuswachstum in 2024 aus.

In dieser Situation, wo sich die deutsche Wirtschaft bereits in einer Rezession befindet, zu streiken, ist aus meiner Sicht absolut kontraproduktiv und wird die schlechte Lage der Industrie unmittelbar verschärfen. Bei uns wächst die Sorge, dass der schrumpfende Rest des Konjunkturpotentials in Deutschland mutwillig kaputtgestreikt wird. Es muss jetzt schnell eine dauerhafte Lösung geben. Deshalb müssen sich die Gewerkschaft und die Bahn endlich wieder an einen Tisch setzen. Zukünftig sollte bei Streiks in der kritischen Infrastruktur zuerst ein Schlichtungsverfahren abgeschlossen werden, bevor gestreikt wird.“

 

Der IVH vertritt als rechtlich selbständige Landesvertretung des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI) die Interessen von produzierenden Unternehmen und deren industrienahen Partnern am Standort Hamburg und darüber hinaus. Der IVH hat circa 270 Mitglieder und wächst weiter. 1963 wurde unser Verband gegründet.